Kultursensible (türkische) Präventionsarbeit zur Förderung seelischer Gesundheit

Der NIENHOF - Verein zur Förderung psychosozialer Arbeit e.V. ist seit über 30 Jahren an einer qualifizierten Weiterentwicklung der gemeindepsychiatrischen bzw. psychosozialen Versorgung in Gelsenkirchen aktiv beteiligt.

Im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes zur Förderung seelischer Gesundheit werden individuelle bedarfsgerechte Hilfen wie ein Kontaktcafé, Psychosoziale Beratungsarbeit, Ambulant Betreutes Wohnen, eine Tagesstätte sowie Aufklärungs- und Präventionsarbeit vorgehalten.
Diese werden ressourcenorientiert und sozialräumlich mit relevanten Angeboten bzw. Institutionen des Gemeinwesens aus den Bereichen Freizeit / Kultur / Bildung / Gesundheit / Soziales / Beschäftigung vernetzt.

Hintergrund ist, dass Migranten mit psychischen Gesundheitsproblemen in den dafür vorgesehenen ambulanten Versorgungsangeboten selten ankommen. Es fehlt an niederschwelligen kultursensiblen Hilfen, die eine kulturelle und sprachliche Verständigung unterstützen, Isolation aufbrechen und Integration voranbringen, so wie soziale und volkswirtschaftliche Folgeschäden (Transferleistungen, Behandlungs- und Betreuungskosten, Kriminalität etc.) verhindern helfen.

Dazu bedarf es der kulturellen Öffnung der zuständigen Hilfeeinrichtungen und Entwicklung interkultureller Sensibilität und Kompetenzen, was immer noch recht selten umgesetzt wird. Deshalb hat der NIENHOF diesen Weg mit Unterstützung des Internationales Migrantenzentrum IMZ der AWO in Gelsenkirchen zur Förderung der seelischen Gesundheit, speziell für den türkischen Kulturraum bzw. Personenkreis, eingeschlagen.

Ein zentraler Baustein stellt in diesem Zusammenhang die Aufklärungsarbeit in den relevanten Migrantenorganisationen und die Netzwerkentwicklung dar. Insbesondere seelische Gesundheitsprobleme werden unter Migranten oftmals als somatische Beschwerden formuliert, was häufig zu Fehldiagnosen und falschen Behandlungen führt.

Studien belegen, dass Migranten im Vergleich oftmals höhere und / oder falsche Medikamentendosen erhalten. Die Suizidrate unter türkischen Frauen ist beispielsweise doppelt so hoch wie unter deutschen Frauen.
Diese u.a. Beispiele machen deutlich, wie wichtig ebenfalls niederschwellige und bei Bedarf auch aufsuchende Präventionsarbeit mit Migranten ist. Dabei geht es meist um den Kontakt mit ganzen Familiensystemen / Gruppen / Organisationen, welche häufig mehrere Generationen und z.T. auch Freundeskreise umfassen.

Alltagssorgen, die aufgrund verschiedenartigster Problemkonstellationen zu psychischen Beeinträchtigungen führen können, gilt es dort präventiv wie auch nachsorgend zu lösen, um sowohl die seelische Gesundheit und damit auch die Integration von Migranten zu fördern.

Weitere Projektziele

  • Vorurteile und Stigmata reduzieren.
  • Kultursensible Hilfen vermitteln.
  • Soziale Kompetenzen und Selbsthilfe stärken.
  • Empowermentressourcen freisetzen.
  • Armut und andere negatie Folgen verhindern.
  • Aufklärung und Integration fördern.
  • Minderung volkswirtschaftlicher Kosten.
In enger Vernetzung mit den Aufgaben und Zielen des Präventionsfachteams des NIENHOF e.V. wie auch des bundesweiten  Jugend- und Schulprojektes “Verrückt? Na und!”- in Kooperation mit Irrsinnig Menschlich e.V. und der BARMER GEK, unterstützt von der Stadt Gelsenkirchen, werden Informations- und Aufklärungsveranstaltungen zur Förderung seelischer Gesundheit, insbesondere in Migrantenorganisationen u.a. kooperierenden Diensten durchgeführt. Seit 2010 haben ca. 30 Veranstaltungen in Form von Vorträgen, Informationsveranstaltungen, Seminaren etc. stattgefunden. Dort wird über psychische Gesundheit bzw. Gesundheits-probleme informiert bzw. sensibilisiert und ggf. mit kulturbedingten Vorurteilen bzw. Mißverständnissen aufgeräumt.